April 21

Die Geschichte einer Corona-App

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Wie alles mit einer Idee begann…… 

Die Idee einer Corona-App oder vielmehr einer App für das digitale Management von Infektionsausbrüchen ergab sich bereits im September 2019 bei einem Vortrag auf dem Internationalen Kongress für Infektionskontrolle und Prävention (ICPIC).  Eindrucksvoll wurde hier vorgestellt, dass in den sozialen Medien deutlich früher Infektionsausbrüche bekannt wurden als offizielle Fälle erfasst wurden. Bereits für die Suchanfragen bei google konnte gezeigt werden, dass diese schon im Anfangsstadium eines Ausbruches auf das Auftreten eines Infektionserregers hinweisen konnten.

Google Trends für Infektionsausbrüche

Basierend auf dieser Erkenntnis hatte google in 2008 „Google Flu Trends“ entwickelt, um Grippeausbrüche anhand typischer Suchbegriffe frühestmöglich zu erkennen und vorhersagen zu können. Allerdings wurde dieses Programm in 2015 wieder eingestellt, da es in einigen Fällen und basierend auf den zu Grunde gelegten Suchbegriffen, zu einer Überschätzung der Grippewelle kam. Eine aktuelle Abfrage von google Trends für die Verwendung des Suchbegriffes Coronavirus zeigt beeindruckend, dass das Suchvolumen bereits 11 Tage vor einem deutlichen Infektionsanstieg sein Maximum erreichte. Sicherlich wird man diese kollektive Intelligenz in Verbindung mit künstlicher Intelligenz zukünftig wieder zur Infektionskontrolle einsetzen, möglicherweise zusätzlich untermauert durch Daten und Erfahrungen aus einem Tracking von Kontaktpersonen.

Ist Datenschutz das einzigste Problem?

Verfolgt man die vielen Diskussionen um eine Corona-App, so bekommt man den Eindruck, dass die einzige Herausforderung bei deren Realisierung der Datenschutz ist. Dabei beginnen die Herausforderungen bereits bei der reinen Technologie der Kontaktpersonen-Erfassung. Denn während sich diese bei Android-Smartphones noch verhältnismäßig einfach etablieren lässt, bedarf es bei Apple Geräten einiger technischer Tricks und dennoch bleibt das Tracking bei diesen Geräten störanfällig. Nichtsdestotrotz reichen die aktuell realisierbaren Technologien für Corona-Apps in anderen Ländern aus und vor diesem Hintergrund wollte MedWiss4you die in Zusammenarbeit mit dem Softwareunternehmen Fiovex entwickelte COVInfect App in den google und Apple Playstores verfügbar machen.

Ganz am Rande: Auch Apps fallen unter die Medizinprodukte-Verordnung   

Da die technologischen Knackpunkte durch google und Apple gelöst wurden und dank öffentlicher Diskussion ebenfalls klar ist, wie und vor allem wo die entsprechenden Daten zu speichern sind, sollte man meinen, dass eigentlich alle Knackpunkte einer Corona-App erledigt sind. Oder etwa doch nicht? Leider, weit gefehlt! Vielmehr beginnt nun erst die eigentliche Arbeit: Die Zulassung einer solchen App als Medizinprodukt. Denn – und das wurde bei allen Diskussionen stets vergessen – eine Corona-App dient in der Regel nicht nur einem reinen Tracking der Kontaktpersonen, sondern aus dieser reinen Information wird vielmehr eine bestimmte Handlung ausgelöst: Sei es, dass die Kontaktpersonen aufgefordert werden, eine mögliche Ansteckung durch eine Testung abzuklären und/oder zu Hause in Quarantäne zu bleiben. Definitionsgemäß fällt jedoch Software die der Erkennung, Verhütung und Überwachung einer Erkrankung dient unter die Medizinprodukteverordnung. Folglich muss eine Corona-App ein entsprechendes und in der Regel langwieriges Zulassungsverfahren durchlaufen. Als MedWiss4you Anfang Februar mit verschiedenen Stellen die Möglichkeiten einer Beschleunigung des Zulassungsverfahrens diskutiert hatte, wurde eine Zertifizierung frühestens für Ende des Jahres in Aussicht gestellt. Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Infektionslage stand es außer Frage, mit einer App derart lange zu warten und auch aus diesem Grund wurde ein Dialog mit öffentlichen Stellen gesucht.

Kommunikation? Kontraproduktiv?!  

Bei dem Versuch die relevanten, öffentlichen Stellen zu kontaktieren und in die App einbinden zu wollen sowie Unterstützung bei der Beschleunigung einer Medizinproduktezulassung zu erhalten, ging vor allem wertvolle Zeit verloren. Ursprüngliche Intention unserer App war es, nicht nur primär die Bedürfnisse der Nutzer zu berücksichtigen, sondern gleichzeitig auch die öffentlichen Stellen und Einrichtungen zu entlasten. Zentraler Bestandteil der App war eine Vereinfachung der Terminorganisation bei den Teststellen, mit dem Ziel App-Nutzern den Zugang zu Testungen deutlich zu erleichtert. Darüber hinaus sollte eine sichere und schnelle Identifikation der Kontaktpersonen mit einem für alle Beteiligten einfachen Meldeverfahren gewährleistet werden und insofern hatten wir uns sehr um einen Dialog mit den hierfür relevanten Stellen bemüht. Auch wenn wir bei diesen weniger Gehör fanden, so haben wir glücklicherweise von anderer Seite her wertvolle Unterstützung erhalten für die wir mehr als dankbar sind. 

An google und Apple führt kein Weg vorbei

Aufgrund fehlender Rückmeldungen, Hinhaltetaktiken und schlichtem Desinteresse sowie vor dem Hintergrund, dass ein Ende des Lockdowns absehbar war, entschieden wir uns die App nur mit einem reduzierten Funktionsumfang in den Playstores zu veröffentlichen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir eigentlich nicht mehr mit größeren Problemen gerechnet und umso größer war die Überraschung, als die Veröffentlichung der App in den Playstores abgelehnt wurde. Grund hierfür sind eigene Richtlinien, wonach es untersagt ist aus einer öffentlichen Notlage Profit zu schlagen. Voraussetzung für eine Veröffentlichung der App ist dann eine offizielle Autorisierung der App, verbunden mit der Auflage, dass die App nicht nur für den Nutzer kostenfrei ist, sondern auch keinerlei Einnahmen durch Werbung generiert. Die neue Tracking Technologie von google und Apple wiederrum soll lediglich einmal pro Land vergeben werden, so dass es mehr als unwahrscheinlich sein wird, dass in Deutschland mehr als eine Tracking App verfügbar sein wird. 

Wir sind daher sehr gespannt auf die offizielle App!  


Tags

Apple, Corona-App, google, Tracking


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